Trommelwirbel Winter 2025

Winter-Journal 2026 – Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen
 

Grass‘ Wörter

„Von Koeppen habe ich gelernt, was man von Döblin lernen kann. Erich Kästners Trauer, die viel bleigewichtiges Wissen einschloß, ist mir gegenwärtig geblieben.“ Vorabdruck in L’80: „Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus“, April 1980

Liebe Literaturverbundene, 

Jahrestage trainieren das Gedächtnis. Auch in der Literatur erinnern sie uns an historische Ereignisse, an das Erscheinungsdatum bedeutender Bücher und Werke, an Geburt und Tod herausragender Dichter und Denker. „Jahrestage“ heißt das vierbändige Hauptwerk des Schriftstellers Uwe Johnson – Chronik einer Familie und Panorama deutscher Geschichte. Es gehört zum Kanon deutscher Nachkriegsliteratur. Jahrestage regen zu Feuilletondebatten und Neubewertungen kultureller Strömungen an. Einer (fast) vergessenen Autorenschaft wird neues Leben eingehaucht. Jahrestage helfen uns, Geschichte wahrzunehmen und auf ihre Relevanz für Gegenwart und Zukunft zu deuten. Und ja, es kann Lust machen, sich mit alten Zeiten und ihren Zeuginnen und Zeugen zu beschäftigen. Immer mal wieder. Werfen wir also einen Blick in den Kalender und picken uns ein paar Jahrestage mit berühmten Namen heraus, die auch im Lebenslauf von Günter Grass verewigt sind. 

Der in Mittweida geborene Erich Loest würde im Februar 100 Jahre alt werden. Ihm zu Ehren wird in Leipzig der Erich-Loest-Preis verliehen, in diesem Jubiläumsjahr an den Büchner-Preisträger Durs Grünbein. Loest gehörte zu den Schriftstellerkollegen seiner Generation, die Günter Grass beistanden, als er all seine bis dahin veröffentlichten Kriegserfahrungen – vom überzeugten Hitlerjungen bis zum traumatisierten Flakhelfer – überraschend ergänzte um das Eingeständnis, zuletzt, 17jährig, zur Waffen-SS gehört zu haben. Auch zu Erich Loest kann man lesen, dass er ebenfalls zur Waffen-SS wollte. Sein Schuldirektor habe das aber verhindert. In der späteren DDR war er wegen seiner oppositionellen Haltung großen Repressalien ausgesetzt. Inhaftierung inclusive. 1981 siedelte er in die Bundesrepublik über. Als Autor hatte er große Erfolge mit seinem 1995 veröffentlichten Roman „Nikolaikirche“. Daraus ein Zitat: „Westberlin, dazu gehörte Willys fassungsloser Blick auf Kampfgruppenketten im August ’61, Rosinenbomber und ‚Ich bin ein Berliner‘, Springers Hochhaus und Rudi Dutschke, die Glocke auf dem Schöneberger Rathaus und der RIAS, Bubi Scholz und die ‚Insulaner‘, Günter Grass hinter seiner angekokelten Haustür, und ‚Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm‘.“ Als Grass 1999 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, schickte Loest selbstverständlich eine Grußbotschaft: „Ich lernte von Dir, keinem halbwegs als nützlich vermuteten Streit aus dem Weg zu gehen“. Übrigens beherzigte er das auch in Gesprächen mit Grass. In öffentlichen Diskussionen mit Loest konnte sich niemand auf eine Wohlfühl-Insel zurückziehen. 

iegfried Lenz (links) hätte am 17. März seinen 100. Geburtstag feiern können. Der nachdenkliche Erzähler der „Deutschstunde“ und Günter Grass fühlten sich freundschaftlich verbunden. Gemeinsam unterstützten sie Willy Brandts Ostpolitik – der eine mehr still, der andere eher laut. Als Grass 1997 seinen farbenfrohen Gedichtband „Fundsachen für Nichtleser“ präsentierte, schrieb ihm Lenz: „Lieber Günter, mit den ‚Fundsachen‘ hast Du mir eine große Freude gemacht: ich dank Dir nochmals. Was für ein schönes Buch! Man findet ja nicht nur; von manchem Blatt, so kommt’s mir vor, wird man auch gefunden. Da ist viel verschlüsselte Lehre, Lebenslehre.“ Mit Heinrich Böll und Günter Grass zählt Lenz zu den bedeutendsten und renommiertesten Nachkriegsautoren in Deutschland. Anlässlich seines Geburtstags veröffentlichte der Wachholtz Verlag zwei neue Lesebücher, die sich auf Hamburg und Schleswig-Holstein mit den Lenz’schen Wegmarken konzentrieren. Der Norddeutsche Rundfunk macht 16 seiner vielen Hörspiele neu zugänglich. „Der Überläufer“ beispielsweise ist eine Adaption des gleichnamigen, posthum herausgegebenen Antikriegsromans, den Lenz 1951 schrieb. Er erzählt die Geschichte eines jungen Wehrmachtssoldaten, der 1944 an der Ostfront gegen Russland kämpft, am Sinn des Krieges zweifelt und sich quälend fragt: Was ist wichtiger, Pflicht oder Gewissen? Wo steckt der wahre Feind? Kann man handeln, ohne Schuld auf sich zu laden?  Ein Thema, heute so aktuell wie damals. 

Im kommenden Sommer wird der deutschsprachigen Lyrik ein einmaliger Höhepunkt geboten: Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden, Tage später wird zum 50. Mal der nach ihr benannte Literaturpreis vergeben. Er zählt hierzulande zu den angesehensten Ehrungen, die sich Autorinnen und Autoren erst nach einem aufreibenden Vorlesemarathon verdienen können. Bachmanns Geburtsstadt Klagenfurt hat 2026 zum „Ingeborg-Bachmann-Jahr“ ausgerufen und stellt 50.000 Euro für Kulturprojekte bereit, die sich der Dichterin widmen. 1957 wurde die Künstlerin mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet, und als drei Jahre später Günter Grass dieser Preis für „Die Blechtrommel“ trotz positiven Juryvotums vom Bremer Senat verweigert wurde, zählte Bachmanns Reaktion zu den ersten Protestschreiben. Von „Befremden“ und „trauriger Farce“ war in ihrem Brief an den Senat die Rede. Grass und Bachmann kannten sich sehr gut, auch aus den regelmäßigen Treffen der Gruppe 47. Während ihrer Schaffenszeit von 1963 bis 1965 in Berlin kehrte sie häufig bei der Grass-Familie in der Niedstraße ein, nahm auch an den legendären „Sonntagsfrühstücken“ mit anderen Schriftstellern teil. Mit Ehefrau Anna Grass und den Kindern pflegte sie einen vertrauten, familiären Umgang. 1965 erklärte sich Grass bereit, dreizehn Zeichnungen zu einem Bachmann-Buch beizusteuern, in dem sie wesentliche Teile ihrer Dankesrede zum Georg-Büchner-Preis abhandelte. 1967, wenige Tage vor seinem 40. Geburtstag, erhielt Grass Post aus Rom: „Lieber Günter, was für ein schwieriger Brief! Zeichnen kann ich leider nicht, sonst würde ich mit ein paar Strichen eine Geburtstagstorte und viele, viele Kerzen aufs Papier tun. Aber die begabten Kinder werden mir diese Arbeit abnehmen. … Ich umarme Sie, und Sie sollen zwei römische Oktoberküsse haben, aus einem ganz blauen Monat, in dem keine altwienerische Melancholie und keine neuberlinische Hysterie mehr zugelassen sind.“ Ingeborg Bachmann

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Nein, nicht primär der Bildungsroman, auch nicht Goethes „Wahlverwandtschaften“ hätten ihm Anregungen für das Schreiben gegeben, bemerkte Günter Grass 2004 in einem Gespräch, sondern von Grimmelshausen, 

Alfred Döblin und die Tradition des pikaresken Romans. Grass, der unbändige Erzähler und Fabulierer, ließ sich gerne von Quellen inspirieren, die ihm nicht mit erhobenem Zeigefinger begegneten. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, dem populären Dichter des Barock, dessen Todestag sich im März zum 350. Mal jährt, fühlte Grass sich verwandt. So schlüpfte er in dessen Haut oder besser setzte sich Grimmelshausens Maske auf, nannte sich aber Gelnhausen, als er (Grass) 1979 „Das Treffen in Telgte“ schrieb. Die Erzählung schildert ein fiktives Treffen deutscher Dichter und Gelehrter im Münsterland im Jahre 1647, bei dem dieser arrivierten Runde der Spiegel ihrer Weltfremdheit vorgehalten wird. Das Werk ist eine verschleierte Darstellung der wirklichen Treffen der Gruppe 47 nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus Grimmelshausens Feder stammte der erste deutschsprachige Roman der Weltliteratur „Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“. Der Autor, Autodidakt, Regimentsschreiber und Soldat, schilderte als Zeitzeuge den Dreißigjährigen Krieg aus der Sicht der kleinen Leute, die immer die Verlierer sind. Schonungslos, aber durchaus amüsant. Zum Jubiläum von Grimmelshausen sind in Baden-Württemberg zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen geplant. Am 20. März wird in Oberkirch eine neue Dauerausstellung eröffnet, in der die Besucher eine multimediale und interaktive Präsentation des „Simplicissimus“ bestaunen können.

Literatur-Brücke zwischen Ost und West

„Demokratie und Sozialismus“ führte L’76 in ihrem Untertitel. 1976, also vor 50 Jahren, erschien die Zeitschrift mit politischen und literarischen Beiträgen erstmals in der gewerkschaftseigenen Europäischen Verlagsanstalt. Herausgeber waren Heinrich Böll, Günter Grass und Carola Stern, die Redaktion leitete Heinrich Vormweg. Im ersten Heft war Günter Grass gleich mit zwei Beiträgen vertreten. „Als das Radieschen umbenannt werden sollte“ und „Warum das Proletarische Kochbuch keinen Verleger fand“ – ein erstes Manuskript zu seinem Roman „Der Butt“. Entstanden ist das L-Medium aus der Überzeugung, dass nur ein demokratischer Sozialismus in der Lage ist, mehr Freiheit und soziale Gerechtigkeit als alle anderen bestehenden Gesellschaftsformen zu erreichen. Denen, die davon überzeugt sind, wollte L’76 Orientierung geben. Und das in einer Zeit, als die Freiheitsbewegungen in Prag und Chile Niederlagen erlitten. „L’76 ist ein Versuch, den internationalen Dialog um sozialen und politischen Fortschritt hin zu einem menschenwürdigen Leben für alle zu erneuern und zu erweitern“, hieß es im ersten Vorwort. Dabei wurde auf eine ärgerliche Tradition der Sozialisten verwiesen, die sich eine eigene Kultur nicht zugetraut, sich deshalb an die „höhere“, also bürgerliche gehalten hätten. 

1980 geriet die Zeitschrift in eine Krise, weil ihr der Verlag abhanden gekommen war. Die Gewerkschaften verkauften die Europäische Verlagsanstalt. In seiner Not gründete der erweiterte Herausgeberkreis einen Eigenverlag und benannte die Zeitschrift in L’80 um. Mitherausgeber Johano Strasser schrieb im ersten Editorial: „Wir wissen, dass die Konjunktur für Demokratie und Sozialismus hierzulande nicht gerade überschäumend ist. Nicht wenige ehemalige Mitstreiter haben resigniert oder sind durch die Routine des Tagesgeschäfts taub und blind geworden für Signale eines neuen Aufbruchs.“ Günter Grass steuerte einen Text bei, der im Herbst 1980 im Buch „Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus“ vom Luchterhand Verlag mit  veröffentlicht werden sollte:
Als Gesamtdeutsches läßt sich in beiden deutschen Staaten nur noch die Literatur nachweisen. Sie hält sich nicht an die Grenze, so hemmend besonders ihr die Grenze gezogen wurde. Die Deutschen wollen oder dürfen das nicht wissen. Da sie politisch, ideologisch, wirtschaftlich und militärisch mehr gegen- als nebeneinander leben, gelingt es ihnen wieder einmal nicht, sich ohne Krampf als Nation zu begreifen: als zwei Staaten einer Nation. Weil sich die beiden Staaten einzig (wenn auch spiegelverkehrt) als materialistisch hier ausleben, dort definieren, ist ihnen die andere Möglichkeit, Kulturnation zu sein, versperrt. Außer Kapitalismus und Kommunismus fällt ihnen nichts ein.“

Es blieb das Hauptanliegen der Zeitschrift, sich um einen demokratischen, freiheitlichen und menschlichen Sozialismus zu bemühen – in unterschiedlicher Form und Sprache: mit politischen Analysen, Essays, Literaturkritik, Lyrik, Prosa und Buchbesprechungen. Immer wieder bot L’80 Oppositionellen aus Mittel- und Osteuropa sowie Dissidenten ein Forum. Im Juli 1988 stellte sich schließlich das schon länger befürchtete Ende der Zeitschrift ein. Dass dies zu einem Zeitpunkt geschah, da in jenem Teil der Welt, mit dem sich L’80 besonders intensiv befasst hatte, dank Gorbatschow sich neues, freiheitliches Leben regte, war eine schmerzliche Ironie. Trotz vieler positiver Zuschriften und Rezensionen hatte die ambitionierte, linke Publikation nicht genug Leserinnen und Leser gefunden. Im letzten, dem 46. Band vermerkte Johano Strasser mit spürbarer Bitternis: „In L’80 konnte man noch nicht einmal etwas einwickeln.“

25 Jahre

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Günter Grass sollte 1959 für „Die Blechtrommel“ den Bremer Literaturpreis erhalten. Die hochkarätig besetzte Jury hatte es dem Bremer Senat vorgeschlagen. Doch die Regierenden entschieden sich dagegen, obwohl einzelne Senator:innen das Buch gar nicht beziehungsweise nur teilweise gelesen hatten. Ihr Urteil: Das Werk sei jugendgefährdend. Eine Schmach für den Literaten, eine Blamage für Bremen, ein beispielloser Literaturskandal über die Grenzen hinaus. Doch immer wieder kreuzten sich die Wege von Günter Grass, dem gebürtigen Kaschuben und Hanseaten aus Danzig, mit der Freien Hansestadt Bremen. Als 1981 in Polen das Kriegsrecht verhängt wurde, strandeten einige Arbeiter der Danziger Lenin-Werft in Bremen; sie waren Mitglieder der Solidarność-Gewerkschaft. Bremen beherbergte und versorgte sie – etwas, das Grass mit Lob quittierte und ihn mit Bremen einigermaßen aussöhnte. 1992 dann fand der Schriftsteller bei Radio Bremen für etliche Hörbuchproduktionen und Lesungen seinen Heimatsender. Viel Zuspruch erlebte Grass 1999 bei seiner Lesung aus „Mein Jahrhundert“ im voll besetzen Bremer Rathaus. Die Veranstaltung wurde zur Initialzündung für die Gründung der Günter Grass Stiftung Bremen. Ihr Zweck sollte es sein, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur auf dem Gebiet des audiovisuellen Wirkens von Grass zu fördern. Am Tag der Pressekonferenz im November 2000 in Bremen traf Grass – mehr oder weniger zufällig – auf eine jugendliche Musikergruppe aus der Kaschubei, teilweise in Trachten gehüllt: Grass sei zugewandt und gerührt gewesen, schrieben die Zeitungen.  

Am 11. Dezember 2001 schließlich wurde die Stiftung von der Hansestadt Bremen, der Sparkasse in Bremen, Radio Bremen sowie zwei Bremer Kaufleuten gegründet, am 12. Februar 2002 genehmigte die Stiftungsaufsicht die gemeinnützige Einrichtung. Im Folgenden erlebte die Stiftung zahlreiche Höhen und Tiefen – sowohl finanziell als auch personell. Das ursprünglich avisierte Millionen-Stiftungskapital, hauptsächlich von privaten Sponsoren erwartet, ließ sich bei weitem nicht aufbringen. Das Kapital wurde aus dem Verkauf von Stadtwerke-Anteilen erheblich aufgestockt, was haushaltsrechtlich umstritten war. In die öffentliche Kampagne wurde der nichts ahnende Grass einbezogen – was ihn maßlos verärgerte. Trotz alledem hielt der Nobelpreisträger Bremen die Treue, vor allem der Stiftung, der er bei seinen Besuchen gute Arbeit bescheinigte. Heute steht die Günter Grass Stiftung Bremen auf solidem Fundament mit Ausbaufähigkeit. Mit ihrem digitalisierten Medienarchiv sieht sie sich unverändert als Partnerin der Forschung und Wissenschaft, zunehmend aber auch an der Seite der interessierten Öffentlichkeit. Das zeitgemäße Online-Archiv erfüllt wissenschaftlich korrekt und technisch nachhaltig alle Ansprüche an ein modernes Archiv. Wenn die Rechte es zulassen, bietet es Videos und Audios „to go“ an, das heißt: sie werden in eigens initiierten Ausstellungen, Lesungen und Diskussionsrunden dem Publikum vor Ort hör- und sichtbar gemacht – in Bremen oder zuletzt auch in Paris.

 Zu guter Letzt

—- Jahrestage kommen und gehen. Gerade erst sind die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke beendet, schon reiht sich 2026 das Gedenken zu seinem 100. Todestag ein. Und mittendrin das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Seit dem 4. Dezember und noch im Januar ist im Literaturmuseum der Moderne die Ausstellung Und dann und wann ein weißer Elefant zu sehen. Anspruch des Kuratorenteams: den ganzen Rilke in seinen verschiedenen Handlungsrollen und Beziehungsnetzwerken sichtbar machen. Die Schau wirft Schlaglichter auf Rilke als Autor und Netzwerker im zeitgenössischen Literaturbetrieb, auf seine Ehe mit der Bremer Malerin Clara Westhoff, auf seine freundschaftlichen und amourösen Beziehungen, auf seine Ambitionen als Bürger und Künstler, auf Rilke als Reisenden, Lesenden, Schreibenden, Sammelnden und auf Rilke im Bild. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen. 
https://www.dla-marbach.de/ 

—- Anlässlich des 75jährigen Bestehens des Archivs der Akademie der Künste in Berlin hat diese Magazine und Kunstdepots geöffnet und erzählt 75 Geschichten: Von künstlerischer Arbeit und daraus entstehenden Netzwerken, von Brüchen und Aufbrüchen, Exil und Rückkehr, Visionen und Widerstand. Dazu gehören Werke wie Walter Benjamins Entwurf „Was ist Aura?“

Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz“, Bertolt Brechts „Mackie-Messer-Song“ und natürlich: „Die Blechtrommel“ – ein erstes Buchmanuskript von Günter Grass und das ikonische Requisit aus dem gleichnamigen Film von Volker Schlöndorff. Die Grass’sche „Blechtrommel“ ist wie ein roter Faden Leitmotiv der Ausstellung, vom Plakat, der Präsenz in der einführenden Kunstinstallation bis zum Raum mit den Vitrinen. Angemessen. Schließlich war Günter Grass von 1983 bis 1986 Präsident der Akadmie. Out of the box ist noch bis zum 18. Januar geöffnet. Kurzentschlossene werden den Besuch nicht bereuen.
https://adk.de/ 

—- Aller guten Dinge sind drei. Allerdings bleibt noch genügend Zeit bis in den Frühling hinein (13. April), um sich die neue Sonderausstellung im Günter Grass Haus in Lübeck zu Gemüte zu führen. Der Nobelpreisträger von nebenan – Grass und Lübeck widmet sich den Themen Herkunft, Heimat und Zuhause. Die Ausstellung erzählt von Grass’ Lebenswegen, von Aufbrüchen, Fremdheit und Ankommen und ermutigt die Besucher, über ihr eigenes Empfinden nachzudenken. Originale Zeichnungen, Aquarelle, Manuskripte sowie Hörstationen und Filme eröffnen Einblicke in die Erfahrungen von Günter Grass. Zugleich ruft das Günter Grass-Haus das Publikum dazu auf, eigene Erinnerungen und Gedanken zu teilen. Keine Frage, der Schreiber dieser Zeilen wird sich die Präsentation nicht entgehen lassen. 
https://grass-haus.de/