Was nicht gesagt werden muss….Tanz und Ballett als politischer Ausdruck

Ein Gespräch mit Anna Grass, Frank Frey und Heide-Marie Härtel

Wann? Mittwoch, 13. Mai 2026, 17:30 bis 19:00 Uhr
Wo? Institut français Bremen, Contrescarpe 19, 28203 Bremen

Während ihrer gemeinsamen Zeit in Berlin und Paris sehen sich Anna und Günter Grass damit konfrontiert, dass sich sowohl im Tanz als auch in der Bildenden Kunst zwei Stilrichtungen und Ausdrucksformen unversöhnlich gegenüberstehen: In Bildhauerei und Malerei das Gegenständliche gegen das Abstrakte; im Ballett konkurriert das klassische Repertoire mit dem modernen Tanz. Anna vereint als Tänzerin beide Auffassungen in ihrer Arbeit.

Als 1970 das Ballett Die Vogelscheuchen nach einem Libretto von Günter Grass und Musik von Aribert Reimann an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt werden soll, wirkt Anna an der Choreografie mit. Es ist eine politisch aufgeheizte Zeit im Nachgang der 68er-Bewegung. In Westberlin kommt es zum „Aufstand der Tänzer“, der auch Proben und Premiere der Vogelscheuchen belastet. Die Bühnenakteur*innen fordern Mitsprache und gerechtere Behandlung im Spielbetrieb. Und sie haben am Ende Erfolg: Es entsteht eine neue Offenheit für zeitgenössische Tanzformen und eine stärkere Einbeziehung der Tänzer in Entscheidungsprozesse.

Die inzwischen 93-jährige Anna Grass, die nach wie vor eine aufmerksame Beobachterin des Ballettgeschehens ist, und der Solotänzer Frank Frey, der die Hauptpartie im Ballett Die Vogelscheuchen (1970) in Berlin tanzte, reflektieren gemeinsam mit Heide-Marie Härtel, Leiterin des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen, die jüngere Geschichte des Balletts. Das Gespräch wird moderiert von der Kulturjournalistin Alexandra Albrecht.